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Hohjägiburg via "Röhreni"

2021-10-25
Urbachtal/Berner Oberland

Unterwegs auf alten Wildheuerpfaden im wilden Urbachtal

Nach mehreren Abstechern diesen Herbst ins Urbachtal und angeregt durch einen überaus lesenswerten Bericht auf HIKR, entschied ich mich diesmal via Röhreni auf die Hohjägiburg 2638 m zu steigen.

Die Röhreni sind die obersten Grasbänder, die sich unter dem Burggrat durch die Urbachflanke hinziehen und die sich bis unter das Tennhorn fortsetzen. Früher wurden die Bänder von Wildheuern bewirtschaftet. Heute wird die Route nur noch selten begangen. Die Wegfindung und das Terrain sind anspruchsvoll und die Kletterei oft heikel in teils unzuverlässigem Fels. Haken stecken keine und Informationen zur Route findet man nur sehr spärlich. Wen das alles nicht abschreckt, dem bietet die Route ein einmaliges Erlebnis in ernster, sehr wilder und abgeschiedener Atmosphäre.

Route 142 Von Osten über die Röhreni, Engelhorn Kletterführer, Kaspar Ochsner:
Vom Parkplatz beim Eingang ins Urbachtal bei Fahrverbot parkieren. Nun in steiler Wanderung auf gutem Wanderweg über Allenschwendi, Burgalp zur Alp Mad. Hier endet der markierte Weg.

Von der Alp Mad hoch über dem Urbachtal einem guten Hirtenpfad über Grasbänder in Richtung der Einstiege der Kletterrouten am Signal. Bei einer auffälligen, riesigen Felsnische geht es exponiert ums Eck (rostige Metallstangen und Seile). Nun horizonal ohne Höhe zu gewinnen in südwestlicher Richtung weiter dem Pfad folgen bis er sich bei (658'320/171'280) auf einer Höhe von 1770 m verliert.

Nun Beginn der Schwierigkeiten. Über Bänder links haltend hoch auf die oberen Grasbänder direkt unter den Einstiegen der Kletterrouten am Signal. Das obere Grasband wird 100 m westlich der auffallenden Fichte erreicht. Nun wieder auf einem guten Hirtenpfad weiter bis zur Quellmündung des Schellibachs, wo bis in den Herbst hinein Lawinenschnee liegt.

Über ein breites Felsband gelangt man in die Geröllmulde bei (657’790/170’960) 1950 m. Nun in ausgewaschenem Fels I hochklettern, um eine obere Geröllterasse zu erreichen. Danach in südöstlicher Richtung, links haltend über Geröll zum obersten Punkt der linken, südlichen Begrenzung des Geröllkessels. Erst hier wird der weitere Routenverlauf sichtbar (657'648/170'576). Der Weiterweg führt über ein felsiges Band exponiert unter grossen Überhängen in eine weitere Geröllmulde und weiter links hoch bis die steile Grasflanke auf ca 2170 m erreicht wird. Diese Stelle (657'640/170'540) sollte man sich merken und darf im Abstieg nicht verfehlt werden.

Nun direkt über einen steilen Grashang gerade hoch bis man auf ein dunkles, überhängendes Felsband (Schlafplatz der Gämsen) stösst. Man quert unterhalb der Überhänge nach links, bis man durch eine Rinne weiter hochsteigen kann. Nun immer in steilem Gras am besten rechts ausholend hoch bis man auf ca. 2300 m auf die kompakten grauen Felsen der Tennhorn Südwand stösst. Von nun an horizontale Querung nach links. Dabei werden 4 Rippen überschritten indem man immer an deren oberen Ende auffällige Scharten zu deren Überwindung nutzt. I-II/T6. So gelangt man in die Geröll- und Felsrinne unterhalb der Hohjägiburg Nordostflanke.

In der Rinne über eine kurze Felsstufe etwas hochsteigen. Einstieg in die Nordostflanke der Hohjägiburg. Über Grasschöpfe und Fels in leichter Kletterei links haltend zu einer Rippe I-II. Kurz ums Eck und links der Rippe anfangs heikel durch eine steile Verschneidung 50 m gerade hoch auf den NE-Grat. Zuletzt über den NE-Grat in teilweise unzuverlässigem Fels zum Gipfel der Hohjägiburg.

Angetroffene Verhältnisse, 23.10.2021:
Ab Quellmündung Schellibach in den Schattenhängen immer wieder wenig Schnee und Wassereis.

Angetroffene Verhältnisse, 05.07.2026:
Trockene und warme Bedingungen auf der ganzen Route.

Aufstieg:
1 - 1.5 h Parkplatz P. 792 – Alp Mad T2
3.5 h Alp Mad - Hohjägiburg T3-T6, III

Abstieg:
3-4 h Siehe Aufstiegsroute

Schwierigkeiten:
Lange, schwierige und oftmals auch heikle Tour in nicht immer zuverlässigen Fels.
T5/II bis Kessel unterhalb Hohjägiburg, ab Kessel bis Gipfel T6/II-III

Material:
Bis 1770 m.ü.M. Trailrunningschuhe, danach Bergschuhe, evtl. würde in den steilen Grasflanken ein Pickel Sinn machen. Es stecken keine Haken.

Bilder:
Die Bilder stammen von mehreren Begehungen in den Jahren 2021 und 2026.

  • Indian Summer im Aufstieg zur Burgalp
    Herbststimmung im Burgwald
  • Alp Mad 1590 m, hier endet der markierte Wanderweg.
  • Routenverlauf beim Zustieg fotografiert
  • Querung unterhalb der Einstiege der MSL Routen am Signal
  • Angekommen bei der Quellmündung des Schellibachs
  • Kurz vor der Quellmündung des Schellibachs. Gut zu sehen der Geröllkessel, der knapp unterhalb der oberen Schneefelder gegen links verlasen wird.
  • Um den Rückweg wieder zu finden, lohnt es sich dann und wann ein Steinmandli zu bauen.
  • Geröllkessel nach der Quellmündung des Schellibachs
  • Tennhorn
  • Weit hinten die Wendenstöcke und der Titlis
  • Die Rippen werden alle durch Rinnen an ihrem obersten Ende überwunden. Achtung, der Fels ist teilw. brüchig!
  • Endlich angekommen in der Gipfelschlucht auf 2360 m. Weit unten die Weiden des Urbachvorsess.
  • Angekommen in der Gipfelschlucht unterhalb der Hohjägiburg
  • Routenverlauf durch die NE-Flanke der Hohjägiburg
  • Urbachengelhorn und Hangendgletscherhorn
  • Routenverlauf vom Gipfelgrat fotografiert
  • Auf dem teilweise brüchigen SE-Grat der Hohjägiburg
  • Auf dem teilweise brüchigen SE-Grat der Hohjägiburg
  • Blick vom Gipfel zur Mittelgruppe, Urbachengelhorn, Gr. Engelhorn und Wetterhorn
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